Die Kunstkarawane und das Kamel von Buer haben ein eigenes Kapitel auf meiner Webseite verdient. Denn es fing an mit der Kunstkarawane, die 2025 in Buer statt finden sollte. Die ersten zwei Kunstkarawanen, 2023 und 2024, von Elke Holland ins Leben gerufen, fanden in Gelsenkirchen statt. Bei der ersten war ich als Teilnehmerin mit gelaufen und es hat mir sehr gut gefallen. Die zweite habe ich dann schon mit geplant und die 3. sollte dann durch Buer laufen. Hier konnten wir ja eine wunderschöne Kunst – bezogene Strecke finden, nämlich vom KUNST-Museum an der Horster Straße zum KUNST-Kiosk am Nordring. Ich war auch gerne bereit, die notwendigen Genehmigungen einzuholen, was schon ein Lernprozess für mich war.

Wir waren ein Superteam mit vielen Talenten und Beziehungen. Z.B. Petra Dreiling-Schewe, deren PC und KI Erfahrung ich schon im letzten Jahr bei der Gestaltung des Fotobuchs zu unserem Poller Projekt genießen konnte. Sie hat diese wunderbaren Flyer als Postkarte entworfen.
Das war dann der Ausgangspunkt für unsere Überlegungen, die Karawane von einem Kamel anführen zu lassen. Aber woher soll das kommen? Zwei Menschen mit Karnevalsverkleidung unter einer Decke haben sich nicht gefunden. Beate Pracht mit einem ihrer Lamas kam auch nicht in Frage. Ein Künstler der Kunstschule Gelsenkirchen wäre bereit gewesen, ein solches zu gestalten. Selbst mit Beteiligung einiger Menschen aus unserem Team wären wir auf ca. 30 + Arbeitsstunden gekommen, die wir mit unserem Etat nicht stemmen konnten.

Als Marion Mauss von der Kunststation Rheinelbe an dem Christ-Himmelfahrt-Wochenende einen Workshop zur Gestaltung von Niki de-Saint-Phalle Skulpturen anbot, haben Elke Holland und ich sofort zugeschlagen, und so etwas wie das Grundgerüst aus Maschendraht und Pappmaschee erstellt. Selbst sind die Frauen! Nach weiteren Wochenenden mit tatkräftiger und technisch kompetenter Unterstützung von Doris Eichert-Wegener konnten wir das Kamel in voller Lebensgröße von ca. 2 Metern nicht nur auf die Beine sondern auch auf eine Palette mit Rollen zu stellen. Thomas Richter hat im August mit einem Foto davon in der WAZ berichtet und auf die Kunstkarawane am 13. September hingewiesen. Und dann mußte es ja noch von Gelsenkirchen nach Buer kommen, was es auf eigenen Beinen nicht geschafft hätte.

Bis zur letzten Minute mussten wir noch zittern und bangen wegen des Wetters. Denn gerade in der Zeit vorher hatte es sehr viel geregnet. Und nicht nur das Kamel wäre bei Regenwetter dahin geschmolzen, auch die uns begleitende Musikerin Bianka Barkau mit ihrer Drehorgel hätte absagen müssen genau so wie die die Taiko-Trommelgruppe Minori Daiko, die uns später im Robinienhof erfreut hat.

Doch am Samstag, 13. 09. 2025 war Petrus oder wer auch immer uns gnädig. Mussten wir zunächst das Kamel noch im Eingang der Schauburg unterstellen, konnten wir es aber dann doch trockenen Fußes vom Museum bis zum Kunstkiosk ‚laufen‘ lassen.
Die Kunstkarawane selbst war – trotz Schalke Spieltag – ein großer Erfolg mit vielen ‚Mitläufer*innen‘, einer guten Darbietung der Taiko-Trommelgruppe Minori Daiko vor dem Assauer Wandbild im Robinienhof und einem schönen Abschluss im Kunstkiosk mit Klezmer und Folk-Musik der Gruppe ‚Kleine Häppchen‘.




Schon vor der Schauburg fiel mir ein Mensch auf, der viele Fotos vom Kamel machte. Was war daran so spannend? Er stellte sich mir dann als Heinz Hackstein vor, der schon viele Beiträge für die Gelsenkirchener Geschichten verfasst hat. Ich muss gestehen, dass mir der Name nicht viel gesagt hat und von den Gelsenkirchener Geschichten hatte ich zwar schon gehört, aber nicht regelmäßig gelesen. Er hatte mir auch seinen Text zum Kamel von Buer gezeigt. Hatte ich kurz zur Kenntnis genommen, mich aber dann dem Ablauf der Karawane zugewandt. Da er sehr professionell fotografierte, hatte ich ihn auch um viele Fotos zur Veröffentlichung gebeten. Am Sonntag habe ich dann endlich den Artikel „Das Kamel von Buer“ aufgerufen und dabei die große Überraschung erlebt: (www.gelsenkirchener-geschichten.de/forum – unbedingt selber nachschlagen) Dort schreibt er:
„Ich kann es fast nicht glauben! Es ist 100 Jahre her, da war das stattliche Wüstentier in aller Bürger Munde.“

Wo kam das denn her? Nicht aus der Wüste sondern aus dem Buerschen Rathaus. Im Rahmen seiner Recherchen als aktives Mitglied im „Verein für Orts- und Heimatkunde GE-Buer e.V.“ stieß er auf mehrere Zeitungsartikel aus den 1920er Jahren. Das gezeichnete Kamel zierte damals die Wand des sich im Umbau befindlichen Magistratsratssaals im Rathaus Buer. Die Freske war Teil einer originellen Raumgestaltung mit sinnreichen Bildern und Sprüchen. Doch nicht alle Ratsherren waren begeistert – die Zeichnung verschwand bald wieder.

Der Spruch zum Kamel lautete: „Wenn über eine dumme Sache mal endlich Gras gewachsen ist, kommt sicher ein Kamel gelaufen, das alles wieder runterfrisst.“

„Anno 1929 von Ernst Neukirchen in schwarz/weiß gezeichnet, …seit 1990 in Farbe durch Claudia Est.
An der Decke des Saals fand sich ein weiterer beherzigenswerter Spruch: „Klug zu reden ist oft schwer – klug zu schweigen noch viel mehr.“

Was mich dann wirklich erstaunt hat, ist die Tatsache, dass dieser Spruch in Stuck heute noch an der Decke zu lesen ist, wie ich bei einer Besichtigung des Rathauses mit eigenen Augen sehen konnte. Diese Tatsache gibt mir Hoffnung, dass unser ‚Kamel von Buer‘ vielleicht einen Platz im Rathaus finden kann.


